Kleine Firma schafft Weg aus der Krise

Hamburg / Schwentinental. Franz Rappel hat den Menschen was zu sagen. Besonders dann. wenn sie im Urlaub sind oder einen Ausflug machen. Wenn sie ein Schloss besichtigen. eine Burg oder eine Kirche. Der Hamburger macht Kunstlührer über historische Bauwerke. Solche kleinen Broschüren. die es direkt bei den Sehenswürdigkeiten zu kaufen gibt. Dabei ist es sein Anspruch. die Hefte so zu gestalten und zu schreiben. dass „die Leute wirklich verstehen“, was sie vor Ort sehen. Und das. ohne dass sie vorher Geschichte studiert haben, wie er sagt.

Es gibt andere. größere Verlage am Markt. die auf solche Hefte spezialisiert sind. Aber auch Rappel weiß. was er tut. Trotzdem stand der Verlag, den er aufgebaut hat. vor einiger Zeit kurz vor der Insolvenz. Gründe dafür gibt es viele. Und gerade für so kleine Firmen, wie die von Rappel. bedeutet das in vielen Fällen das Aus. Der 52-Jährige hat es jedoch geschafft. Auch in dieser persönlichen Angelegenheit hat Rappel den Menschen viel zu sagen.

„Schriftsteller war damals ein Traumjob“

Wie alles begann: Nach dem Abitur – das war in den 80er Jahren -. studierte Rappel zunächst Jura. Eigentlich wollte er jedoch Schriftsteller werden. „Schriftsteller werden war damals ein Traumjob. wie heute Popstar“. sagt Rappel. Neben dem Schreiben erkundete er gern andere Länder. Mitte der 80er erschien sein erster Reiseführer: Schottland für Rucksacktouristen. Ein Erfolg. Es folgten weitere Bücher über andere Urlaubsziele. Neuauflagen. Das Studium geriet in Vergessenheit. „Zwischen 30 und 40 konnte ich relativ sorgenfrei von den HonorarenIeben“. sagt Rappel. Aber dann gingen die Einnahmen zurück. Der Markt veränderte sich.

Rappel war klar. dass er etwas tun musste. Schon länger hatte er Broschüren für Sehenswürdigkeiten im Blick. „Es gibt etwa 5000 historische Bauwerke in Deutschland“, sagt Rappel. Da sollte auch für ihn was drin sein. Zumal er von der Konkurrenz lernen und es anders und besser machen wollte. Die Hamburger St. MichaeIis-Kirche wurde zu seinem ersten Kunden.

Hangeln von Auftrag zu Auftrag

„Finanziell war der Start jedoch wackelig“. sagt Rappel. Er hatte keine Rücklagen. hangelte sich von Auftrag zu Auftrag. Die Publikationen zu erstellen. das bereitete ihm Freude – das Kaufmännische weniger. Mit der Finanzkrise wurde das Geschäft schwieriger. Irgendwann konnte er seine Zulieferer wie Druckereien und Grafiker nicht mehr bezahlen. Auch privat häuften sich die Schulden – Mietrückstande. Telefonrechnungen. Als sein Konto gepfändet wurde. war Schluss.

Schon davor hatte Rappel Hilfe gesucht. „Ich wollte nicht aufgeben. Es gab für mich keine Alternative“. sagt er. Die Kreditangebote, die plötzlich in seinem Briefkasten liegen. schmeißt er in den Papierkorb. Die scheinen ihm wenig vertrauenswürdig. Und woher wissen die überhaupt. dass er in Not ist. „Es gibt eine richtige Insolvenzindustrie“. sagt Rappel. „Und Leute. die solche Kredite annehmen. die sind nicht dumm. die sind verzweifelt.“

Name des Unternehmens bleibt

Rappels Rettung ist die Beteiligungsgesellschaft Einstein 14 mit Sitz in Schwentinental bei Kiel. Auch dort hilft man Betrieben, die von Insolvenz bedroht sind oder schon Insolvenz anmelden mussten. Das Besondere: „Für normale Investoren sind so kleine Firmen, wie die, denen wir zur zweiten Chance verhelfen. nicht attraktiv genug“, sagt Geschäftsführer Oliver Reetz. Er arbeitet eng mit den betroffenen Unternehmern zusammen.

Wird die Insolvenz eröffnet, macht Reetz dem Insolvenzverwalter ein Angebot. das hoher ist. als die Summe. die bei einer Zerschlagung und „Resteverwertung“ zustande kommen würde. Davon profitieren laut Reetz dann auch die Gläubiger. Erhält er den Zuschlag. gründet er eine neue Betriebsgesellschaft – also eine neue Firma. In dieser neuen Firma stellt er den Chef des alten Unternehmens in der Regel als Betriebsleiter ein – und mit ihm alle „erhaltenswerten Geschäftsteile“ wie Kunden- und Branchenkontakte des Gründers. Auch der Name des Unternehmens bleibt.

Die Geschäfte laufen gut

Dieses bekommt unter dem Dach der Beteiligungsgesellschaft noch eine Anschubfinanzierung. um alles wieder zum Laufen zu bringen. Einstein 14 führt die Geschäfte und berät Menschen wie Franz Rappel dabei. wie er den Betrieb verbessern und ausbauen kann. Dafür berechnet die Beteiligungsgesellschaft eine Beratungspauschale.

Bei Rappel ist es allerdings noch etwas anders gelaufen: Der Verlag „Monumente und Menschen“ wurde schlicht aufgelöst und dann in Form einer Betriebsgesellschaft von Einstein 14 quasi neu gegründet. Die Geschäfte laufen nach Aussage von Rappel und Reetz gut. Was die Schulden des „aIten“ Unternehmens betrifft. da führen Rappel und sein Anwalt derzeit die Verhandlungen mit den Gläubigern. Das hat mit der „neuen“ Firma nichts zu tun. Und: Rappel hat die Option. den Verlag zu jedem Zeitpunkt zurückzukaufen. sobald er seine privaten Schulden geregelt hat. „Ich wäre last gescheitert. aber ich habe es geschafft“. sagt Rappel. Er wünscht sich. dass es anderen ebenso geht.



 

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